Gerade die Hauptschule muss in den nächsten Jahren im Brennpunkt der schulpolitischen Entscheidungen stehen. Ein Großteil der Bevölkerung wird an dieser Schulform ausgebildet. Doch leider verlassen nicht alle mit einem qualifizierenden Abschluss diese Schule, einige sogar ohne Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen. Nicht ein Schuldiger dafür muss gefunden werden, sondern Lösungen, um später mehr Jugendlichen den Weg in eine Ausbildung zu ermöglichen.
Alle Bildungs- und Lernangebote helfen nichts, wenn sie nicht wahrgenommen werden. Die Einstellung zu Schule und Lernen muss sich verbessern. Das Motto muss heißen: Ich will lernen, meine Chancen verbessern! Bildung schafft Chancen: auf einen Arbeitsplatz, auf ein Leben mit Perspektive! Wie man Chancen erkennt und sie ergreifen kann, müssen Jugendliche erst lernen. Dieser Weg in die Selbstverantwortung beginnt mit einem Einstehen für das eigene Lernen. Lernen wollen, Entdeckungen suchen, sich anstrengen und einbringen können. Jeder Jugendliche muss verstärkt in die Planung des eigenen Bildungsweges einbezogen, Eigenengagement von ihm eingefordert werde.
Damit dies gelingt, müssen Kinder und Jugendliche Anerkennung erfahren, Selbstbewußtsein entwickeln. Aufgabe der Gesellschaft muss es sein, Talente auf diesem Weg durch Projekte in der Schule, der eigen Stadt zu fördern. Mehr Selbstvertrauen führt bei Schülern und Lernenden zu erhöhter Leistungsbereitschaft. Dazu gehört ebenso selbstverständlich der Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen. Wichtige Grundkompetenzen, sogenannte soft skills, können so frühzeitig für das spätere Auftreten im Beruf eingeübt werden. Schüler, die Ehrenämter in der Gemeinde, oder um Beispiel im Sportverein wahrnehmen, sollten mehr öffentliche Anerkennung seitens der Schule und der Gesellschaft erfahren. Stadt und Schulen sollten sich Konzepte zur öffentlichen Anerkennung, der auf diesem Weg geleisteten Arbeit, überlegen. Relativ kostengünstige Möglichkeiten dafür böten Zeugnisbemerkungen, die Einladung von einigen Jugendlichen zu einem Empfang beim Bürgermeister, eine Ausflugsfahrt, oder der kostenlose Besuch eines Museums, oder eines städtischen Betriebes zu einem bestimmten Termin.
Die zunehmende Profilierung der Hauptschule in der Öffentlichkeit als erfolgreiche praxisnahe Bildungsstätte muss in einer christlich sozialen Schul- und Jugendpolitik weiter forciert werden. Der Ausbau örtlicher Partnerschaften mit Handwerk und Unternehmen zum gegenseitigen Kennenlernen und Wertschätzen hat sich dabei bewährt. Dieser Ansatz sollte ausgebaut werden. Handwerksmeister, als Fachleute aus der Praxis, könnten durch praxisorientierte Zusatzkurse (z.B. "Kochen, besser wie im Fernsehen") an Hauptschulen Interesse am Handwerk wecken und ein realistisches Berufsbild vermitteln. Das ist umso wichtiger, als nicht selten Ausbildungen abgebrochen werden, gerade weil sich Jugendliche den Berufalltag anders vorgestellt hatten und dann unzufrieden sind.
Sozialpädagogen als Vermittler zwischen Schülern, Lehrern und Eltern in Problemfällen sind nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken. Ihr Einsatz muss weiter ausgebaut werden. Als Eingreifkräfte vor Ort, wenn Konflikte sich abzeichnen, sind die Schulpsychologen ein wichtiger Partner von Schule und Eltern. Ziel muss es sein, zu Handeln bevor etwas passiert. Prävention statt Krisenmanagement im Notfall.
Als junge Menschen, die Jugendpolitik betreiben, dürfen wir nicht die Augen verschließen, sondern müssen für unsere Generation einstehen und kämpfen. Es darf nicht sein, dass für manche Jugendliche sich schon als Schüler ein Leben ohne langfristige Perspektive abzeichnen soll. Lasst uns gemeinsam für unsere und für die kommenden Generationen einstehen.
Marcus König, Bianca Schmidt